Hirtengeschichte

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In der Weihnachtsgeschichte heißt es: „Es waren Hirten in derselbigen Gegend auf dem Felde, die hüteten des nachts ihre Herden.“

Das war die Situation:
Die Schafe schliefen im Ferch, auch die Hirten hatten sich zum Schlafen gelegt, nur einige saßen am Feuer und hielten Wache. Auch die Hunde waren aufmerksam. Es bestand immer die Gefahr von wilden Tieren oder Räuberbanden.
Die Hirten waren keine sanften oder besonders frommen Menschen. Sie waren Außenseiter der Gesellschaft, ehemalige Gefangene, gewalttätige und grobe Leute, arm und abgerissen, gefürchtet in den Ortschaften. Sie lebten nicht in Bürgerstuben oder Herbergen und sicher ließ man sie nicht in die Synagoge zum Beten.
Na, und was sie vom Gott ihres Volkes hielten? – – – – –
Ganz ungewiss.
Ihre Lebensregel war Gewalt.
Sie waren überhaupt nicht geeignet für die Botschaft der Engel. Undenkbar für jeden frommen Menschen damals – und heute würden wir nicht anders denken.

Und von ihnen heißt es: „und der Engel des Herrn trat zu ihnen und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie und sie fürchteten sich sehr.“
Und ihnen sagte der Engel: „Fürchtet euch nicht, siehe, ich verkündige euch große Freude – denn euch ist heute der Heiland geboren.“

Sie ließen alles stehen und liefen zum Stall.
Sie konnten Freude gebrauchen in ihrem harten Leben.

Anneliese von Held